Bettnässen

Guten Tag Frau Geiger
Ich habe eine Frage:
Mein Sohn, 7 1/2 Jahre, nässt jede Nacht ein.
Er geht in die 1. Klasse, ist ein vifer, lebendiger Bube, sehr gut in der Schule. Eigentlich läuft alles wunderbar!
Er war relativ früh trocken, wurde dann wieder rückfällig, war mit 5 1/2 Jahren wieder 4-5 Monate trocken und nässt nun wiederum ein.
Windeln will er nicht tragen (muss er aber), wecken (auch x-Mal) in der Nacht, nützt nichts.
Kennen Sie einen Grund, weshalb er das macht oder wie wir ihn unterstützen können?
Herzlichen Dank für ein Feedback, eine ziemlich ratlose Hélène

Bettnässen

Liebe Hélène
Ihre Ratlosigkeit verstehe ich sehr gut. Wir Eltern kämpfen hier nämlich gegen einen sehr starken Gegner: gegen das Lustprinzip. Es ist viel angenehmer, bei Blasendruck es einfach fliessen zu lassen, als sich aus dem Schlaf zu wecken, aufzustehen und aufs WC zu gehen. Man kann es mit Belohnungen für trockene Nächte versuchen, dann muss er sozusagen eine Lust gegen die andere eintauschen. Am Besten finde ich es immer, wenn man den Kindern erklärt, wo das Problem liegt: Dass einem der Schlaf heilig ist, man weder erwachen noch aufstehen will, wenn die Blase drückt. Schildern Sie ihm, welche Gedanken ihnen durch den Kopf gehen, wenn Sie deswegen nachts aufstehen müssen. Das machen wir alle nicht gerne. Die Hoffnung dabei ist, dass er erkennt, dass es für uns alle unbequem ist und dass er einsieht, dass es im Leben eben Dinge gibt, die man nicht gerne macht und sie doch machen muss. Er weiss dafür sicher noch andere Beispiele. Lassen Sie mich wissen, wie er darauf reagiert. Je nach Reaktion planen wir das weitere Vorgehen. Es gibt kein Patentrezept.

Bettnässen

Gutenn Tag Frau Geiger
Verstehe ich das recht, mein Sohn ist schlicht zu bequem aufzustehen? Nicht bewusst, denn er schläft ja; aber er entscheidet sich quasi für die einfachere Variante, nämlich im warmen Bett leigen zu bleiben.
Ok, das versuche ich aus, ich suche das Gespräch mit ihm und berichte Ihnen dann darüber. Ich bin gespannt!!
Herzlichen Dank für Ihre rasche Antwort.
Hélène

Bettnässen

Guten Tag Frau Geiger
Tja, erstaunlich! Wir haben zusammen gesprochen und ich habe das so erzählt. Von wegen erklärbar und bequem und dass ich das auch kenne. Dass es so flauschig und warm im Bett ist und ich mich scheue, auf den kalten Badzimmer-Plättli barfuss zu laufen...
Er hat aufmerksam zugehört - schon das ist neu!! Sonst wendet er sich immer demonstrativ ab, wenn ich das Thema anschneide. Und hat es mal zur Kenntniss genommen. Er nässt nach wie vor ein.
Denken Sie, schon alleine das darüber SPrechen bringt etwas? Oder, kann ich noch was machen? Ich finde es schon entlastend, so mit ihm zu sprechen...
Besten Dank, liebe Grüsse

Bettnässen

Liebe Frau Wegelin
Das freut mich sehr, dass ihr Sohn Ihnen zugehört hat! Das Sprechen über ein Symptom ohne Moral und ohne Forderung hilft schon viel. Als Nächstes können sie ihm erklären, dass unsere Träume genau diese Funktion haben: wir finden in den Träumen Lösungen für Dinge, die uns psychisch weiter beschäftigen, ohne dass wir aufwachen müssen. Der Schlaf ist uns allen heilig. Fragen sie ihn, ob er schon einmal geträumt hat, er sei auf dem WC und uriniere. Erzählen sie ihm, dass wir alle das manchmal träumen und im letzten Moment, bevor wir laufen lassen, erwachen und dann aufs WC gehen.

Bettnässen

Frau Geger- es ist kaum zu glauben, er ist rocken! ich wartete extra etwas, denn ich glaubte gar nicht so recht an den Erfolg!
Mein Sohn kann sich nicht aktiv an seine Träume erinnern, aber das "beduselte"Gefühl, wenn er aufwacht und noch ganz schlaftrunken ist - ist wohl auch ein Zeichen von Träumen. Stimmt das?
Herzlichen Dank für Ihre Unterstüzung! Uns drohte bereits ein Nierenultraschall im Spital un dwir sind alle froh, dass das nun nicht mehr nötig ist! Liebe Grüsse Hélène

Bettnässen

Liebe Frau Wegelin

Das freut mich ausserordentlich, dass ihr Sohn jetzt trocken ist! Das "beduselte" Gefühl beim Aufwachen ist ein Zeichen, dass er geträumt hat, das hat er ganz richtig gemerkt. Es ist allgemein so, dass wir die meisten Träume gar nicht erinnern, oder beim Erwachen noch Bilder haben, die gleich verschwinden.
Offenbar hat ihm das mit dem Träumen und dem "Bequem" eingeleuchtet und die Erklärung, wie wir Erwachsenen das machen. Ich nehme an, er wusste von der bevorstehenden Untersuchung. Die Angst davor wird auch ihren Teil zum Erfolg beigetragen haben!

Elisabeth Geiger

so einfach?

Frau Geiger, das ist ja ein gutes Beispiel, vor allem weil es auch so reibungslos geklappt hat. Aber ich verstehe das wohl falsch, wenn ich nun annehme, dass alle Kinder, die ins Bett nässen, einfach nur zu faul sind, um aufzustehen.

Bettnässen

Liebe Frau Hochreutener
Sie verstehen das ganz richtig: alle Kinder, die bettnässen, sind zu bequem um Aufzustehen. Es ist einfach viel lustvoller, laufen zu lassen, wenn man einen Blasendruck spürt als Aufzustehen und aufs WC zu gehen. Der Schlaf ist uns wirklich heilig, man will ihn nicht unterbrechen.
Es ist auch mit den Windeln tagsüber so. Wenn die Kinder Windeln tragen, können sie einfach laufen lassen. Ohne Windeln muss man dann zuerst ein WC aufsuchen, eventuell ein Spiel unterbrechen oder in der Stadt noch 10 Minuten verhalten. Das ist unangenehm.
Wir verlangen von den Kindern einen Triebverzicht. Ich bin immer dafür, dass man ihnen das erklärt, so wie es Frau Wegelin gemacht hat. Es ist ein Appell an die Vernunft und verlangt Beherrschung und Disziplin. Wenn man es schafft, hat man wieder einen Lustgewinn: man ist stolz auf sich selbst.

Mit lieben Grüssen
Elisabeth Geiger

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