Gesundheit

5 Fragen an Dr. Silke Schmitt Oggier - Grippe oder «nur» eine Erkältung?

«Ich habe nur eine kleine Frage wegen eines Medikaments» sagt Anna Debrunner (23) an einem Nachmittag Ende November am Telefon zur sante24-Gesundheitsberaterin. «Ich hab eine Grippe mit ziemlich Fieber und Gliederschmerzen. Ein Erkältungsmedikament zum heiss

Dr. Silke Schmitt Oggier - Med.Leiterin von sante24
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SWICA Gesundheitsorganisation

Trinken habe ich heute schon dreimal genommen, aber ich glaub. Ich möchte nun noch ein Mittel gegen Fieber und Schmerzen einnehmen. Ist das ok?»

Was sind Anzeichen einer Grippe?
Die Grippe geht mit ähnlichen Symptomen einher wie die gängigen Erkältungskrankheiten, nämlich in der Regel mit Schnupfen und/oder Husten, Krankheitsgefühl und Gliederschmerzen. Bei der Grippe ist allerdings der Beginn sehr schnell, das heisst, man hat innert kurzer Zeit hohes Fieber, fühlt sich rasch sehr krank und hat starke Gliederschmerzen. Eine Grippe führt deutlich häufiger zu Komplikationen und Spitaleinweisungen. Deshalb wird vor allem älteren Personen und Patienten mit chronischen Erkrankungen die jährliche Grippeimpfung empfohlen.

Wie erkenne ich, ob ich eine Grippe oder «nur» eine Erkältung habe?
Die echte Grippe – und nur die heisst wirklich so – kommt nur einmal pro Jahr zu uns in die Schweiz, dann allerdings für mehrere Wochen. Ihr Auftreten wird vom Bundesamt für Gesundheit in Zusammenarbeit mit der Ärzteschaft sehr genau überwacht, so dass die Bevölkerung und die Ärzte und Spitäler jeweils gut informiert werden können, um richtig zu handeln. Solange die Grippewelle noch nicht in der Schweiz registriert wurde, ist es äusserst unwahrscheinlich, an der Grippe zu erkranken. In den letzten Jahren begann die Grippewelle in der Schweiz jeweils erst um den Jahreswechsel herum mit einem Höhepunkt im Januar/Februar. Auch in diesem Jahr gibt es bisher noch keine bestätigten Grippefälle bei uns.

Braucht oder gibt es spezielle Medikamente oder Massnahmen gegen die Grippe?
Die jährliche Impfung gegen die Grippe im Herbst ist eigentlich der beste Schutz. Die Impfung kann eine Ansteckung nicht zu 100% verhindern, kann aber in der Regel die Symptome lindern und Komplikationen verhindern. Ist man an der echten Grippe erkrankt, helfen im Prinzip dieselben Therapien wie bei einer Erkältung, also Schonung bzw. Bettruhe, pflanzliche oder rezeptfreie Mittel gegen die Infektion der oberen Atemwege , fiebersenkende Massnahmen und evtl. Medikamente gegen Fieber und Schmerzen. Es gibt spezielle Mittel, die nur bei einer echten Grippe wirken, allerdings nur, wenn man die Einnahme in den ersten Stunden der Symptome beginnt. Diese Medikamente sind rezeptpflichtig und erfordern somit einen Arztbesuch.

Kann man die Erkältungsmittel, die man gewöhnlich in heissem Wasser auflöst, mit Fieber- oder Schmerzmitteln kombinieren?
Die Erkältungs-/Grippemedikamente, die man in heissem Wasser auflösen und trinken kann, beinhalten in der Regel schon ein fiebersenkendes und schmerzlinderndes Mittel, nämlich Paracetamol. Bei Paracetamol gilt neben anderen Vorsichtsmassnahmen wegen Grunderkrankungen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten eine tägliche Höchstdosis. Um diese zu berechnen muss man die Menge an Paracetamol, die schon im Erkältungsmittel enthalten ist, mitzählen. In den Packungsbeilagen ist diese Höchstdosis jeweils ausgewiesen. Oft liest man diese aber gar nicht so genau. Die Fiebersenkung und Linderung der Gliederschmerzen sollte also bereits alleine durch das Erkältungsmittel sichergestellt sein. Falls dies bei korrekter Dosierung nicht eintrifft, ist ein Arztbesuch ratsam, um andere Ursachen auszuschliessen.

Wie schnell ist man nach einer Erkältung oder Grippe wieder fit?
Das kommt sehr auf den Verlauf der Erkrankung an. Am besten ist es, wenn man auf sich hört und nach anfänglicher Schonung oder Bettruhe langsam wieder Alltagsaktivitäten aufnimmt. Dann merkt man selbst, wie viel man sich zumuten kann. Bei einer Erkältung geht das sicher schneller als bei einer echten Grippe. Für die Arbeitsaufnahme oder andere nicht nur kurz dauernde Aktivitäten sollte man mindestens einen Tag ohne Medikamente fieberfrei sein. Um seine Mitmenschen nicht anzustecken, z.B. in den öffentlichen Verkehrsmitteln, ist es ratsam, zuhause zu bleiben bis die Symptome deutlich besser sind. Für die Aufnahme sportlicher Betätigung sollte man sich länger Zeit lassen und dies bei schwererem oder langwierigerem Verlauf sogar mit dem Hausarzt besprechen. Zu frühe Aktivitäten können zu Rückfällen und anderen Komplikationen führen.

Bei Anna Debrunner handelt es sich, so die Einschätzung der sante24-Gesundheitsberaterin, am ehesten um eine Erkältung mit leichtem Fieber und vor allem Gliederschmerzen.  Zusammen legen die beiden Frauen nach ausführlicher Erhebung der Symptome und anderer medizinscher Daten  die Höchstdosis eines Schmerz- und Fiebermittels für die nächsten 24 Stunden fest. Sollten der Allgemeinzustand und die Gliederschmerzen dann nicht besser sein, sollte Anna Debrunner doch ihren Hausarzt konsultieren, um der Ursache der Symptome durch eine gründliche Untersuchung auf die Spur zu kommen.

Dr. med. Silke Schmitt Oggier ist die Medizinische Leiterin von sante24. Die telefonische Gesundheitsberatung sante24 ist eine zentrale Dienstleistung von SWICA, die den SWICA-Versicherten bei allen Fragen rund um die Gesundheit unter der Nummer 044 404 86 86 kostenlos zur Verfügung steht. Die Fachkräfte von sante24 vereinbaren bei Bedarf einen Arzttermin und schaffen so die Grundlage für eine koordinierte und zielgerichtete Behandlung – von der ersten Beratung bis zum Therapieabschluss.

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