Gesundheit

5 Fragen an Dr. Silke Schmitt Oggier - Quaddeln von einer Raupe?

«Ich glaub, ich habe gerade etwas ganz blödes gemacht», ruft Ursel Zumsteg ins santé24-Telefon, «ich war mit meinem Enkel Dario (6) im Wald spazieren und habe ihn ermuntert, eine kleine behaarte Raupe auf seine Hand kriechen zu lassen. Ich schaue mit ihm immer das Buch

Dr. Silke Schmitt Oggier - Med.Leiterin sante24
Kategorie:
Autor:
SWICA Gesundheitsorganisation

Die kleine Raupe an; es ist sein Lieblingsbuch. Jetzt bekommt er überall an der Hand komische erhabene Stellen und es juckt ihn ganz schrecklich…. Was  soll ich machen, seine Eltern sind am Arbeiten und ich erreiche sie nicht!?»

 

Können die Quaddeln von der Raupe kommen?
Es ist höchst wahrscheinlich, dass die Symptome mit den juckenden, erhabenen Hautstellen (Quaddeln) tatsächlich von der Raupe kommen. Die sogenannten Eichenprozessionsspinner, behaarte Raupen auf dem Weg zum Schmetterling, können starke allergische Reaktionen auslösen. Bei Berührung brechen die Haare ab und geben ein Gift ab, das die Raupen vor Fressfeinden schützen soll. Auf der Haut kommt es zu scharf begrenzten, hellroten Flecken und erhabenen, juckenden Stellen, die sogenannte Raupendermatitis. Die Hautareale sind zudem leicht geschwollen, und die Betroffenen spüren ein schmerzhaftes Brennen und/oder Jucken.

Gehen die Symptome schnell wieder weg?
Nein, leider nicht unbedingt. In der Regel erreichen die Hautveränderungen ihren Höhepunkt innerhalb einer Woche und heilen nach einer weiteren Woche wieder ab. Mit zwei Wochen muss man also rechnen.

Bekommt man die Symptome nur im direkten Kontakt mit den Raupen?
Nein, Raupenhaare sind äusserst langlebig. Sie reichern sich wie ein Giftstoff über Monate und Jahre hinweg im Gelände an. Sie halten sich auch im Unterholz, heften sich bei Berührung an Kleider und Schuhe und brennen immer wieder aufs Neue. Da die Haare auch leicht mit dem Wind verbreitet werden, kann es auch zu Bindehautentzündung, Rachenentzündung und nach Einatmen sogar zu Bronchitis oder Asthma kommen. Auch Hunde können vor allem an Schnauze und Zunge sehr unter dem Gift der Raupenhärchen leiden.

Was kann man gegen die Symptome machen?
Ähnlich wie bei starken Kontaktallergien braucht es in der Regel lokale kortisonhaltige Präparate für die Haut, antiallergische Tröpfchen für die Augen und gegebenenfalls Antihistaminika-Tabletten gegen den Juckreiz und die Schwellung. All dies ist in der Apotheke erhältlich. Bei starker Ausprägung der Symptome, bei Atem- oder Rachenbeschwerden oder bei Verschlechterung von bekanntem Asthma sollte man allerdings einen Arzt aufsuchen bzw. Rücksprache nehmen. Die Kleider, die man getragen hat, sollten möglichst schnell in der Waschmaschine gewaschen werden, damit sich angeheftete Härchen nicht noch weiter verbreiten können.

Was gelten für allgemeine Vorsichtsmassnahmen?
Behaarte Raupen sollten nicht angefasst und Gebiete mit starkem Raupenbefall bei ersten Anzeichen von Hautreizungen verlassen werden. Verdächtige Raupennester, vor allem an Eichenbäumen, sollten den Behörden gemeldet werden und müssen bei Bestätigung des Befalls mit Eichenprozessionsspinner unter speziellen Vorsichtsmassnahmen (Atemschutz, Schutzanzug) abgetragen und abgebrannt werden.

Ursel Zumsteg findet mit Hilfe der telemedizinischen Beratung durch santé24 die nächste offene Apotheke und bekommt dort Medikamente für Darios Haut gegen die Schwellung und den starken Juckreiz. Bis Darios Eltern am Abend nach Hause kommen, sieht man zwar noch rote Flecken an seiner Hand, es geht es ihm aber schon viel besser. Die Eltern sind froh, dass der Ausflug doch noch glimpflich verlief und dass die Oma so gut reagiert und sich Hilfe bei santé24 geholt hat. Das Buch Die kleine Raupe hat ab sofort für die ganze Familie noch eine weitere Bedeutung….

 

Dr. med. Silke Schmitt Oggier ist die Medizinische Leiterin von santé24 und selber Fachärztin für Kinder und Jugendliche. Die telemedizinische Beratung ist eine zentrale Dienstleistung von santé24, die den SWICA-Versicherten bei allen Fragen rund um die Gesundheit unter der Nummer 044 404 86 86 kostenlos zur Verfügung steht. Eine Praxisbewilligung für Telemedizin ermöglicht es den Ärzten von santé24 zudem, bei telemedizinisch geeigneten Krankheitsbildern weiterführende ärztliche Leistungen zu erbringen. Mit der medizinischen App BENECURA können SWICA-Versicherte ausserdem bei Krankheitssymptomen einen digitalen SymptomCheck machen und erhalten Empfehlungen fürs weitere Vorgehen. Bei einem anschliessenden Telefonat mit santé24 entscheidet der Kunde im Einzelfall selber, ob er die im SymptomCheck gemachten Angaben santé24 freigeben möchte.

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