Gesundheit

5 Fragen an Dr. Silke Schmitt Oggier - Sonnenbrand im Auge!

Chantal Brunner war mit ihrer Familie übers Wochenende Skifahren. Es war bestes sonniges Wetter und wunderbarer Pulverschnee. Jetzt, am Sonntag Abend, klagt der 5-jährige Sohn über rote, tränende Augen. Er weint, weil es ihm auch weh tut, sobald er die Lider öffnet.

Dr. Silke Schmitt Oggier - Med.Leiterin von sante24
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SWICA Gesundheitsorganisation

Den Kinderarzt am Sonntag stören möchte Chantal Brunner deswegen aber vorerst nicht. Deshalb ruft ruft sie sante24 an. Nachdem die Gesundheitsberaterin von sante24 eine Verletzung oder einen Unfall anhand von Nachfragen ausgeschlossen hat und der Sohn keine zusätzlichen Erkältungs- oder Krankheitszeichen aufweist, kommt eigentlich nur ein «Sonnenbrand im Auge», eine sogenannte «Schneeblindheit» in Frage. Die ist umso wahrscheinlicher, als er sich geweigert hatte, seine Skibrille aufzusetzen. Die brauche er nur bei schlechtem Wetter, um keinen Schnee in die Augen zu bekommen.

Gibt es Schneeblindheit wirklich und kann man davon blind werden?

Schneeblindheit ist der umgangssprachliche Ausdruck für einen Lichtschaden an der Augenoberfläche durch übermässige bzw. ungeschützte UV-Bestrahlung. In den Bergen ist die UV-Strahlung nochmals stärker als im Flachland und die Strahlen werden noch dazu im Winter vom Schnee reflektiert. Blind werden kann man aber in der Regel davon nicht, da normalerweise keine Schädigung der Netzhaut im Innern des Auges vorliegt, sondern eine sonnenbrandähnliche Verletzung der Horn- und Bindehaut des äusseren Auges.

Wie äussert sich ein solcher «Sonnenbrand im Auge»?

Die Symptome treten zumeist verzögert innert ca. 3-12 Stunden nach der Exposition mit der UV-Strahlung auf, also typischerweise am Nachmittag, abends oder auch erst in der Nacht. Von aussen sieht man vor allem, dass die normalerweise weisse Bindehaut rund um Pupille und Iris gerötet ist und einzelne rote Äderchen sichtbar sind. Der Betroffen kann das Auge aber wegen Schmerzen, Fremdkörpergefühl, vermehrtem Tränenfluss und erhöhter Lichtempfindlichkeit kaum offen halten, was man als «Lidkrampf» bezeichnet.

Sind Kinder anfälliger für Schneeblindheit?

Kinderaugen sind besonders empfindlich, da der Eigenschutz des Auges noch nicht ganz ausgebildet ist. Die Gefahr, dass die schädigenden Strahlen bis zur Netzhaut dringen, ist dadurch deutlich höher als nach dem 25. Lebensjahr. Dann ist die Linse normalerweise voll ausgereift und kann die Netzhaut besser schützen.

Wie kann man die Symptome jetzt behandeln?

Ganz wichtig ist der Schutz vor weiterer Lichtexposition und eine gute Schmerzbekämpfung. Kühle Auflagen auf die Lider und Bettruhe in einem abgedunkelten Raum sind die ersten Massnahmen bei leichteren Fällen. Zur Schmerzlinderung kann dann ein nicht rezeptpflichtiges, allgemeines Schmerzmittel wie z.B. Paracetamol oder Ibuprofen eingenommen werden. Bei starken Schmerzen und deutlichem Fremdkörpergefühl auch in Ruhe und bei geschlossenen Augen braucht es evtl. lokale Augen-Schmerz-Tropfen und Antibiotika-Augensalbe. Dafür ist ein Arztbesuch notwendig und auch sinnvoll. Da die Hornhaut sich in der Regel sehr gut regenerieren kann, heilt die oberflächliche Schneeblindheit normalerweise innert 24-48 Stunden folgenlos ab. Dennoch ist zu beachten, dass sich Lichtschäden am Auge genauso wie auf der Haut summieren, was spätere Augenkrankheiten begünstigt.

Wie kann man seine Augen am besten vor einem Lichtschaden schützen?

Der sicherste Schutz, vor allem im Sommer am Wasser und im Winter im Schnee, ist eine geprüfte Sonnen-oder Schutzbrille mit hohem UV-Schutz. Auch heller Sand und weisses Papier reflektieren und streuen die Sonnenstrahlen sehr stark. Gut ist ein zusätzlicher Seitenschutz an der Brille, um das seitliche Eindringen von Streustrahlung zu verhindern. Auch wenn man Kontaktlinsen mit UV-Schutz trägt, benötigen die nichtbedeckten Augenpartien einen Lichtschutz. Bei Kindern empfiehlt sich wegen der Unfallgefahr eine Brille mit Plastikgläsern. Für Solarien und Arbeiten wie Schweissen gelten besondere Vorsichtsmassnahmen.

Da der kleine Sohn von Chantal Brunner über erhebliche Schmerzen klagt und die Augen auch im Dunkeln nicht mehr öffnen will, empfiehlt die sante24-Ärztin, die von der Gesundheitsberaterin beigezogen wurde, den lokalen kinderärztlichen Notfalldienst zu kontaktieren. Beim Verlaufstelefonat zwei Tage später erfährt die sante24-Ärztin, dass der Kinderarzt eine beruhigende und desinfizierende Augensalbe für die erste Nacht abgegeben hat, den kleinen Junge am nächsten Tag nochmals in der Praxis gesehen hat und es ihm jetzt schon wieder gut geht. Seine Skibrille will er jetzt in Zukunft immer tragen, das hat er aus der ganzen Aktion gelernt!

Dr. med. Silke Schmitt Oggier ist die Medizinische Leiterin von sante24. Die telefonische Gesundheitsberatung sante24 ist eine zentrale Dienstleistung von SWICA, die den SWICA-Versicherten bei allen Fragen rund um die Gesundheit unter der Nummer 044 404 86 86 kostenlos zur Verfügung steht. Die Fachkräfte von sante24 vereinbaren bei Bedarf einen Arzttermin und schaffen so die Grundlage für eine koordinierte und zielgerichtete Behandlung – von der ersten Beratung bis zum Therapieabschluss.

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