Gesundheit

5 Fragen an Dr. Silke Schmitt Oggier - Wenn Hefepilze die Überhand gewinnen

«Mir wächst alles über den Kopf. Das Baby quengelt, trinkt schlecht und hat einen wunden Po. Meine Brustwarzen sind irgendwie komisch und schmerzen beim Stillen. Ich bin hundemüde und weiss nicht mehr, was ich zuerst machen soll», klagt die junge Sarah Zollinger..

Dr. Silke Schmitt Oggier - Med.Leiterin von sante24
Kategorie:
Autor:
SWICA Gesundheitsorganisation

..der sante24-Gesundheitsberaterin. Sie möchte wissen, ob sie zum Arzt gehen soll und wenn ja, zum Kinderarzt oder zum Gynäkologen.

Aufgrund der geschilderten Symptome bei Mutter und Kind hat die Gesundheitsberaterin den Verdacht, dass e sich bei beiden um eine Infektion mit Hefepilzen handeln könnte.

Wo kommen Hefepilze vor und wie können sie Infektionen auslösen? 

Hefepilze sind Erreger, die symptomlos auf der Haut und den Schleimhäuten des Menschen vorkommen können. Im Darm z.B. können Hefepilze vor anderen krankmachenden Organismen schützen. Etwa 75% aller Menschen sind Träger. Im Darm sind sie bei jedem zweiten Gesunden zu finden. Bei Störungen der Immunabwehr kann es zu übermässiger Vermehrung der Hefepilze und zu Symptomen kommen.

Welches sind die Symptome einer Hefepilz(Soor)-Dermatitis im Windelbereich?

Die Haut ist im Windelbereich rot und hat schuppende oder auch nässende Stellen, die jucken oder Schmerzen verursachen und sich bis zu den Oberschenkelinnenseiten und dem Rücken ausbreiten können. Vor allem, wenn Urin oder Stuhl an die Stellen kommt, brennen diese und das Baby wird unruhig und weint.

Schon vor der sichtbaren Soorinfektion ist die Haut im Windelbereich häufig etwas gerötet und gereizt. Dies kann vorkommen, wenn die Windeln zu wenig oft gewechselt werden oder wenn das Baby Durchfall hat. Um die zarte Baby-Haut am Po zu schützen, eignen sich Salben auf Zinkbasis, die sich zwar nicht optimal verteilen lassen, aber dafür auch bei Nässe gut haften und schützen.

Hat das schlechte Trinken des Babys auch etwas mit der Pilzinfektion zu tun?

Das kann gut sein. Nicht selten befällt die Pilzinfektion auch den Magen-/Darmtrakt inklusive Mundschleimhäute. Innen in den Wangentaschen und manchmal auch auf den Zahnleisten und den Lippen des Babys finden sich dann weissliche Beläge, die an Milchrückstände erinnern. Im Gegensatz zu Milch lassen sich diese aber nicht abstreifen. Leider sind diese Stellen nicht nur sichtbar, sondern sie verursachen auch Schmerzen beim Trinken und Essen. Typisch dafür ist, dass das Baby zwar trinken will, weil es Hunger hat, aber beim Trinken weint, quengelt oder immer wieder aufhört, weil es ihm weh tut.

Können die Hefepilze beim Stillen auf die Brustwarzen übergehen?

Vor allem, wenn die Brustwarzen etwas wund sind, kann es zu einer Übertragung kommen. Die Brustwarzen jucken, brennen oder schmerzen dann und sehen zum Teil glänzend rosa oder gar pinkfarben aus. Die Haut im Bereich der Brustwarze und des Brustwarzenhofes kann schuppig, trocken oder rissig sein, manchmal mit kleinen Bläschen oder Pickelchen. Tritt zusätzlich während oder nach der Stillmahlzeit bei der Mutter ein stechender oder schiessender Schmerz bis tief in die Brust auf, ist die Pilzinfektion evtl. schon in die Milchgänge fortgeschritten und muss dringend behandelt werden.

Wie kann man die Pilzinfektion bei Mutter und Baby am besten behandeln?

Der Kinderarzt kann ein Anti-Pilz-Mittel verschreiben, mit dem man die Haut und die Schleimhäute von Mutter und Kind behandelt. Es macht also nichts, wenn das Baby die Salbe beim Stillen von der Brustwarze in den Mund bekommt, bei Befall der kindlichen Mundschleimhaut ist dies sogar erwünscht. Wichtig ist, die Behandlung auch nach Abklingen der Symptome bis zum Ende der verordneten Behandlungszeit weiterzuführen. Sonst besteht das Risiko, dass nicht alle Pilze erwischt wurden und sie sich wieder ausbreiten.

Gleich nach dem Gespräch mit der sante24-Gesundheitsberaterin inspiziert Sarah Zollinger den Mund ihres Babys genauer. Die weisslichen Beläge, die sie für Milchreste gehalten hatte, lassen sich tatsächlich nicht abstreifen. Der Kinderarzt, zu dem sie am nächsten Morgen geht, bestätigt den Hefepilzbefall beim Baby und bei ihr und verschreibt Medikamente in Gel- und Tröpfchenform. Sarah Zollinger ist beruhigt, dass sie jetzt weiss, warum ihr Baby so unruhig und quengelig war und dass das nicht an ihr gelegen hat. Nach wenigen Tagen hat sich alles beruhigt und Sarah Zollinger kann ihr Muttersein wieder geniessen.

Dr. med. Silke Schmitt Oggier ist die Medizinische Leiterin von sante24. Die telefonische Gesundheitsberatung sante24 ist eine zentrale Dienstleistung von SWICA, die den SWICA-Versicherten bei allen Fragen rund um die Gesundheit unter der Nummer 044 404 86 86 kostenlos zur Verfügung steht. Die Fachkräfte von sante24 vereinbaren bei Bedarf einen Arzttermin und schaffen so die Grundlage für eine koordinierte und zielgerichtete Behandlung – von der ersten Beratung bis zum Therapieabschluss.

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