Gesundheit

5 Fragen an Dr. Silke Schmitt Oggier - Zecken!

Zecken: Österreich ist gefährlicher als das Emmental!

 

Dr. Silke Schmitt Oggier - Med.Leiterin von sante24
Kategorie:
Autor:
SWICA Gesundheitsorganisation

Sandra Gilgen aus dem Emmental ruft wegen ihrer Kinder bei sante24 an. Sie ist sehr beunruhigt. Eben hat sie mit ihrer Schwester telefoniert, die Anfang Jahr in die Nähe von Graz/Österreich gezogen ist und die sie mit der Familie Anfang Juli für zwei Wochen besuchen möchte. Die Schwester habe sie gefragt, ob die beiden Kinder (5 und 7) gegen Zecken geimpft seien, weil die Zecken-Hirnentzündung (FSME) in Österreich sehr verbreitet sei. Im Impfausweis der Kinder findet Sandra Gilgen keine solche Impfung, obwohl sie immer alles nach Plan hat impfen lassen. Was soll sie nun tun?

Kann es sein, dass Kinder, obwohl nach Plan geimpft, keine FSME-Impfung haben?

Die sante24-Ärztin schaut in der aktuellen Zeckenkarte des Bundesamts für Gesundheit nach und sieht, dass das Emmental nicht zu den gefährdeten Gebieten gehört. Deshalb wird die FSME-Impfung dort nicht unbedingt routinemässig empfohlen. Die Region um Graz dagegen gehört gemäss der Karte für Österreich zu den Gebieten, in denen die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) gehäuft vorkommt. Zur Sicherheit möchte die Ärztin die Impfausweise jedoch selber noch anschauen. Tatsächlich: Die eingescannten und elektronisch übermittelten Impfausweise der beiden Kinder sind zwar für die anderen Impfungen inklusive Masern komplett, haben jedoch tatsächlich keine FSME-Impfung eingetragen.

Die Ferien beginnen in fünf Wochen: reicht diese Zeitspanne, um die Kinder noch gegen FSME schützen?

Wenn sich die Familie viel draussen in der Natur rund um Graz bewegt, ist es sinnvoll, sich gegen FSME impfen zu lassen. Für den normalen Impfablauf ist es so kurz vor den Ferien bereits zu spät. Aber mit der Schnell-Impfung kann inert kurzer Zeit ein sehr guter Impfschutz erzielt werden. Dafür müssen die Kinder im Abstand von zwei Wochen zweimal mit dem Kinder-Impfstoff geimpft werden. Ein drittes Mal nach fünf bis zwölf Monaten, damit der Impfschutz mehrere Jahre anhält. Bei Kindern unter sechs Jahren ist man in der Schweiz im Gegensatz zu Österreich eher zurückhaltend mit der Impfung, da kleinere Kinder normalerweise nur leicht erkranken, wenn der FSME-Erreger durch einen Zeckenstich übertragen wird. Beim 5-jährigen Sohn empfiehlt die sante24-Ärztin jetzt trotzdem die Impfung, da die Familie plant, in den nächsten Jahren regelmässig nach Österreich zu fahren.

Kann man als Erwachsener auch FSME bekommen?

Im Gespräch fragt die Ärztin Sandra Gilgen, ob sie und ihr Mann denn gegen FSME geimpft seien? Verwundert fragt die Anruferin, ob denn FSME nicht bloss für Kinder gefährlich sei. Ganz im Gegenteil, erklärt die Ärztin, die Krankheit verläuft im Erwachsenenalter deutlich schwerer als im Kindesalter und hinterlässt auch häufiger Folgeschäden. Sie empfiehlt deshalb den Eltern, die mit den Kindern zusammen wandern und mit dem Velo in Österreich unterwegs sein wollen, sich ebenfalls impfen zu lassen. Oft haben Kinderärzte auch Erwachsenenimpfstoff in der Praxis, da sie Jugendliche damit impfen und versuchen, auch die Eltern ihrer kleinen Patienten für die Impfung zu gewinnen. Da die Impfung im Emmental aber wahrscheinlich nicht so oft gebraucht wird wie in den Schweizer Risikogebieten, lohnt es sich, bei der Terminvergabe beim Kinderarzt danach zu fragen.

Muss man sonst noch etwas beachten?

Die FSME-Impfung schützt nicht generell vor Zecken, sondern nur vor der Übertragung des FSME-Virus. Zecken können aber auch noch andere Krankheitserreger übertragen. Die bekanntesten sind Borrelien, die die Borreliose oder Lyme-Erkrankung auslösen können. Da die Anfangssymptome grippeähnlich sind und man auch gar nicht jeden Zeckenstich bemerkt, wird eine Borreliose nicht selten erst im späteren Stadium entdeckt. Dann helfen oft auch Antibiotika nicht mehr. Gegen die Borreliose/Lyme-Erkrankung gibt es leider bis anhin noch keine Impfung. Deshalb sollte man sich im Wald und Unterholz möglichst mit abgeschlossenen Kleidern (Hosen in die Strümpfe stecken) und Repellent vor Zecken schützen. Am Abend sollte man den ganzen Körper gegenseitig auf Zecken absuchen, vor allem Regionen wie Achselhöhlen, Knie- und Ellenbeugen, Hals, Nacken, Bauchfalten und bei Kindern auch die Kopfhaut.

Was mache ich, wenn ich eine Zecke finde?

Möglichst schnell entfernen! Je länger die Zecke in der Haut bleibt, je grösser ist das Übertragungsrisiko. Die Zecke (egal ob klein oder gross, vollgesaugt oder nicht) mit Daumen und Zeigefinger möglichst nahe an der Haut packen und gerade herausziehen. Nicht drehen, keine Mittel auf die Zecke geben, einfach langsam ziehen. Gut geht das auch mit einer Zeckenzange oder einer Zeckenkarte, die zum Teil von Impfstoffherstellern gratis beim Arzt oder in der Apotheke abgegeben werden. Danach die Einstichstelle desinfizieren und in den nächsten Tagen beobachten. Bildet sich um die Einstichstelle ein rötlicher Ring auf der Haut, empfiehlt sich ein Arztbesuch, weil dann eine Borrelienübertragung wahrscheinlich ist und mit Antibiotika behandelt werden sollte.

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