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Andersrum - der Opel Meriva

Der Opel Meriva verspricht viel Innenraum bei kompakten Aussenmassen. Und er kommt mit «verkehrten» Türen daher. Ob sich die Spielerei als sinnvoll erweist, testet Familie Matter.

Kategorie:
Autor:
Beat Matter

Beats Männermeinung:

Schön. Wirklich schön. Der Opel Meriva gefiel mir auf Anhieb. Und zwar sowohl aussen als auch innen. Geschmeidige, dynamische Formen aussen, aufgeräumte Schlichtheit im Inneren. Ganz so, wie ich es mag. Und ganz so, wie ich meinte, würde es auch Esther gefallen. Nicht zuletzt aufgrund der Dimensionen: Wie die Erfahrung während unserer Tests nämlich lehrt, spricht Esther sehr auf Kompakt-Vans an. Die grossen Vans, Kombis oder SUVs schüchtern sie eher ein. Die Kompaktwagen dagegen sind im Familienalltag dann doch häufig zu klein. So ist Esthers Vorliebe letztlich auch eine pragmatische: Einfach zu manövrieren und ausreichend im Raumangebot sollen sie sein. Das Resultat heisst Kompakt-Van.

Schon bei der ersten Sichtprüfung fiel mir auf, dass der Opel Meriva ein modulartig aufgebautes Raumwünderchen ist. Mit wenigen Handgriffen lassen sich fast alle Möbel im Innenraum in die meisten Richtungen verschieben oder gar entfernen. Bei Vollbestuhlung ist der Kofferraum ausreichend gross. Legt man die Sitze um, wird aus dem Meriva ein kleiner Lieferwagen. Bis auf wenige Ausnahmen fahren wir als vierköpfige Familie derzeit aber mit Standard-Möblierung durch die Gegend. Doch auch so: Mit etwas Tetris-Erfahrung lassen sich Kinderwagen, Rucksack, Wickeltaschen, einiges an Spielzeug und was es sonst noch alles braucht problemlos im Meriva verstauen.

 

"Derartiges bekommt man normalerweise nur von absoluten Luxus-Limousinen geboten, die geschätzt mehr als das Zehnfache des Meriva kosten. "

Im Gegensatz zur Geschmeidigkeit, mit der sich der Meriva allen erdenklichen Ladeherausforderungen stellt, fühlte sich der Motor auf den Probefahrten etwas unsanft an. Gepaart mit einer relativ empfindlichen Kupplung führte das dazu, dass mit sanften Füssen zu Werke gegangen werden musste, um als Chauffeur eine ebenso sanfte Fahrt bieten zu können. Dass die Pedale, seltsamerweise vor allem das Gaspedal, mit recht viel Kraftaufwand betätigt werden mussten, machte die Sache mit den sanften Füssen nicht einfacher. Gemäss unbegründeter und vor allem frecher Bemerkung von Esther könnte dieser Eindruck aber schlicht aufgrund mangelnder sportlicher Betätigung entstanden sein.

Wie auch immer: Leistung war von Seiten des Autos in jeder Situation genügend vorhanden. Die Sitze waren, wie man das von deutschen Herstellern gewohnt ist, straff und deshalb auch auf längeren Fahrten bequem. Die Rundumsicht erwies sich als vorbildlich.

Die grosse Aussergewöhnlichkeit bietet der Meriva mit seinen hinteren Türen, die in entgegengesetzter Richtung als üblich öffnen. Derartiges bekommt man normalerweise nur von absoluten Luxus-Limousinen geboten, die geschätzt mehr als das Zehnfache des Meriva kosten. Bei der Bedienung macht sich die menschliche Natur als Gewohnheitstier bemerkbar. Nicht ein einziges Mal öffnete ich eine hintere Tür, ohne dass ich den Griff nicht auf der falschen Seite gesucht hätte.

Der Effekt, der mit dem «Portaltür»-Konzept erreicht wird, ist das einfachere Ein- und Aussteigen der Fond-Passagiere. Wie sich in unserem Praxistest allerdings herausstellte, sind die Türen weniger geeignet, um in relativ engen Parklücken kleine Kinder in ihren Kindersitzen zu versorgen. Nach Jahren mit konventionellen Türen lernt das Gewohnheitstier halt nicht in ein paar Tagen, andersrum zu denken. Doch mit dem Meriva hat man nichts dagegen, sich etwas Zeit zu lassen mit der Angewöhnung.

 

Ungewohnt, aber komfortabel: Die Hintertüren öffnen sich nach vorne.

Esthers Frauenmeinung:

Beat oder ich, einer von uns sitzt momentan meistens zwischen den beiden Kindern auf dem Rücksitz, damit die Familienfahrt etwas ruhiger verläuft. Unser gut viermonatiges Baby Lionel fühlt sich wohler, wenn es in eines unserer Gesichter schauen kann. Der zweieinhalbjährige Janick kann somit problemlos mit Büechli oder Essen versorgt werden. Er liebt es, mit uns zu sprechen oder uns Dinge zu zeigen.

Im Opel Meriva kann man einigermassen bequem zwischen den Kindersitzen Platz nehmen. Bei einer Fahrt meinte Janick: «Ich finde das es schöns Auto.» Als ich nachfragte, was genau, zeigte er um sich herum. Auf das Interieur.

Ich kann mich meinem Sohn anschliessen. Optisch gefällt mir das Auto auch sehr gut und zwar aussen wie innen. Besonders mochte ich die hohe Sitzposition und die hervorragende Rundumsicht. Die Grösse des Autos empfand ich als angenehm für den Familienalltag zu viert. Sowohl zum Fahren als auch für das Verstauen des Gepäcks. Unser grosser Kinderwagen konnte just im Kofferraum verstaut werden, und alle Taschen fanden stets einen Platz.

Beim Fahren schien mir das Auto manchmal etwas ungeschmeidig. Die Kupplung und der Schalthebel liessen sich eher streng betätigen. Beat meinte einmal sogar am Morgen nach einer längeren Fahrt am Vortag, er habe etwas Muskelkater vom Fahren. Doch dies liegt sicher nicht nur am Meriva, sondern vor allem an der Tatsache, dass in unserem momentanen hektischen Familienalltag kaum Zeit für Sport bleibt.

 

"Besonders mochte ich die hohe Sitzposition und die hervorragende Rundumsicht. Die Grösse des Autos empfand ich als angenehm für den Familienalltag zu viert."

 

Der Opel Meriva hebt sich durch die Hintertüren von den üblichen Autos ab. Die Hintertüren lassen sich verkehrt herum öffnen. Irgendwie originell. Doch im Alltag erwiesen sich die verkehrten Türen oft als unpraktischE sei es zum Einsteigen oder Einladen der Kinder.

Beat meinte im Vorfeld, der Meriva würde mir sicher gefallen. Das sei ein Auto nach meinem Geschmack. Doch es wurde nicht meine neue grosse Liebe, obwohl das Auto alles hat was man braucht und sogar noch ein bisschen mehr. Doch das gewisse Etwas fehlte. Vielleicht wäre es Liebe auf den zweiten Blick? Doch hierfür hatten wir leider zu wenig Zeit.

Beat und Esther Matter

Mitarbeit: Janick und Lionel

 

 

 

Technische Daten:

Opel Meriva Cosmo 1,7 CDTi

Masse: Länge: 4,29 Meter, Breite: 2 Meter, Höhe: 1,6 Meter, Leergewicht: 1360 Kg, Gesamtgewicht: 1890 Kg, Zuladung: 530 Kg, Kofferraumvolumen: 400 bis 1500 Liter, Sitzplätze für 5 Personen. Zwei Sitze im Fond mit Isofix-Befestigungen für Kindersitze ausgerüstet.

Motor: 4 Zylinder-Dieselmotor, 1987 cm3, 96 kW/130 PS

Verbrauch: Gesamt: 5,2 Liter/100 Kilometer, CO2-Emissionen: 138 g/km.

Preis: 33‘000 Franken (Ausstattung Cosmo). Der Basis-Meriva mit 1,4 Liter-Benzin-Motor, manuellem 5-Gang-Getriebe und 100 PS ist erhältlich ab 22‘700 Franken.

 

Windschlüpfrig: Die Form des Meriva erinnert an ein Ei.

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