Aufklärung tut not - Sexualität der Schweizer Jugendlichen

Nach einer Studie der Uni Basel sind viele Jugendliche aufgeklärt, aber bei weitem nicht alle und keineswegs gut genug.

Sexualerziehung umfasst mehr als die Aufklärung über den Geschlechtsakt.
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Jugendsexualität - einige Stichwörter und Zahlen

Laut der Basler Studie ist bis im Alter von 11 Jahren die Hälfte der Kinder aufgeklärt. Zwei Drittel der 17-Jährigen hatten schon ihre ersten sexuellen Intimkontakte. 85% haben beim «ersten Mal» verhütet – Mädchen weit mehr als Buben.

Die meisten Jugendlichen geben an, von der Schule aufgeklärt zu werden (39% J, 27% M). Eine wichtige Rolle in der Aufklärung kommt den Müttern zu (23% M, 7% J), gefolgt von den Gleichaltrigen (13% J, 11% M). Väter sind weitgehend abwesend (1% M, 5% J).
16% geben an, überhaupt nicht aufgeklärt zu sein. Ebenfalls bemerkenswert: Die meisten Jugendlichen schätzen ihr Wissen über sexuelle Inhalte weit höher ein, als es effektiv ist. Ein kleiner Anteil gibt an, schon sehr früh sexuell aktiv gewesen zu sein: zwischen 12 und 14 Jahren. Die Buben dieser Gruppe weisen ein Risikoverhalten auf: sie sind kaum aufgeklärt und verhüten nicht.

Von Kopf bis Fuss über Herz und Verstand – Sexualerziehung von Kindesbeinen an

Sexualerziehung umfasst weit mehr als die Aufklärung über den Geschlechtsakt. Sie beinhaltet die gesamte Persönlichkeitsentwicklung: Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper, Wissen über dessen Entwicklungen; gesellschaftliche Rollenbilder; Beziehungen; gleichgeschlechtliche Orientierung; Machtverhältnisse; Familienplanung; Gesundheit; Verhütung und so weiter. In diesem umfassenden Sinne plädiert die EKKJ für Sexualerziehung ab dem Kindergarten, altersgerecht, kontinuierlich und systematisch – in der ganzen Schweiz.

Dazu gehört (ab 11 Jahren) sowohl die Diskussion über klischierte Medienbilder (Stichwort «perfekter Körper») als auch über Pornographie, die Teil der Realität der in einer digitalen Welt aufgewachsenen Kinder ist.

Genauso wichtig ist es, dass die Schule aufzeigt, wo sich Jugendliche abseits von Familie und Schule informieren können: Internetangebote für anonyme Beratungen, unabhängige Beratungsstellen etc. Um diese Ziele zu erreichen, braucht es flächendeckende Präventions- und Aufklärungskampagnen. Und dafür soll sich die Politik auf Kantons- und auf Bundesebene einsetzen.

Noch zuletzt: Der opulenten Bilderflut steht ein klägliches Repertoire an Worten gegenüber. Noch muss eine wertschätzende Sprache für einen schönen Umgang mit Sexualität, jenseits von Sexismus und Abwertung, kreiert werden. Und da sind wir alle – ob alt oder jung - gefragt und gefordert.

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