Notizen aus Vietnam (3)

Blumenflut auf den schwimmenden Märkten

Im Mekong-Delta spielt sich ein grosser Teil des Lebens auf dem Wasser ab. Besonders farbenprächtig ist das Markttreiben im Vorfeld des Mond-Neujahrsfestes. Dann bringen die Bauern ihre Blumen auf den Markt.

Die Bauern bringen die gelbe Blütenpracht, mit der alle Einwohner des Deltas ihre Häuser schmücken werden.
Kategorie:
Autor:
Beat A. Stephan

Das Mekong-Delta bildet einen angenehmen Kontrapunkt zum Verkehrsgewusel in Saigon. Wir tuckern gemütlich auf einem wunderschönen Holzschiff mit gemütlichen Kabinen und lassen uns mit feinster Vietnam-Cuisine du marché verwöhnen.

Vom Feinsten: Fisch mit Ananas auf dem Schiff.

Der Aufwand ist gewaltig: Eine Crew von 15 Personen umsorgt 6 Passagiere. Sie leisten Grosses. Besonders die Küche ist Spitze, das sieht man diesem Geniesser am glücklichen Gesichtsausdruck an:

Shrimps in Kokosnuss - ein Gedicht!

Morgens früh geht das Leben auf dem Riesenfluss los: Um 6 Uhr treffen schon die vollbeladenen Kähne der Bauern auf dem Floating Market ein, dem schwimmenden Grosshandelsplatz (so eine Art Cash and Carry) auf dem Mekong.

Morgens in der Früh: Die Ananasbauern bringen ihre reiche Ernte.

Die Bauern bringen von weit her Ananas, Bananen, Gemüse und vor allem Blumen aller Farben und Sorten. Auf dem zentralen Markt werden die Köstlichkeiten auf kleinere Boote umgeladen und zu den verschiedenen lokalen Märkten in den Detailhandel gebracht. Wir haben rund eine Million Pflanzen fotografiert, die von überall her gebracht und dann auf Blumenmärkten verkauft werden.

Sechs Uhr morgens auf dem Mekong: Der Tag erwacht und mit ihm der Markt.

Es ist unglaublich zu sehen, wie die Leute hier vier gewaltige blühende Bäume mitsamt Töpfen auf ein Töffli laden können, sich selbst auch noch irgendwo draufsetzen und so lostuckern, ohne etwas zu sehen (die Blüten verdecken die Sicht).

Dass die Bauern ihre rote und vor allem gelbe Blütenpracht in gewaltigen Mengen anschippern, hat seinen guten Grund. Am 2. Februar feiern die Vietnamesen das Lunar New Year, ein Mond-Neujahrfest, das wie bei uns Weihnachten gefeiert wird, im Kreise der Familie, mit Geschenken, Speis und Trank. Das neue Jahr steht im Zeichen von Mao (der Katze).

Interessant sind die tagelangen Vorbereitungen auf das Fest: Häuser und Strassen, Plätze und Rabatten werden auf Vordermann gebracht, alles erstahlt in Blütenpracht, bunte Leuchtgirlanden machen aus Plätzen festliche Treffpunkte.

Die Bauern im Mekong-Delta rüsten ihr Haus für die Familienbesuche aus allen Gegenden des Landes. Alles wird gepützelt und poliert, vor allem aber die Gräber der Ahnen, die meist möglichst nahe am Haus stehen. Um die Vorfahren zu ehren, werden die Grabmäler sogar frisch gestrichen.

Die alte Meisterin: Bei der Herstellung der hauchzarten Reisblättchen, mit denen man Frühlingsrollen dreht, macht ihr keiner etwas vor.

In einem Dorf trafen wir die zirka 100 Jahre alte Hoah. Sie stellt wohl schon seit 80 Jahren die papierdünnen Blättchen her, mit denen man die vietnamesischen frischen Frühlingsrollen einpackt.

Sie streicht die Reisstärke dünn auf eine heisse Platte, löst sie und legt sie zum Trocknen hin. Bis zu 800 solche hauchdünne Teige schafft sie pro Tag! Vor den Neujahrsfeierlichkeiten läuft ihre Produktion auf Hochtouren.

Der Ofen wird übrigens mit den Reishüllen befeuert und die Asche wird wieder als Dünger verwendet. Recycling pur, es gibt nichts, was hier keine Verwendung fände.

Selbst die Bananenblätter werden verwendet. Man packt damit die Wassermelonen ein, damit sie keinen Schaden erleiden.

Die Bauern hier leben einfach, der Artist of Hair hat einen klapprigen Stuhl und einen Spiegel auf der Terrasse. Dafür gibt's den neusten Dschungel-Schnitt schon für 5 Rappen.

Das Reich des Dorfcoiffeurs.

Die Nahrung finden die Bewohner des Mekong-Deltas in Form von Früchten und Gemüsen rund ums Haus, und natürlich im reich bevölkerten Wasser.

Praktisch: Auch der Pfeffer wächst im Garten.

Viele bauen Reis an. Doch der ist momentan in Gefahr. Schneckenliebhaber importierten die besonders schnell wachsenden Yellow Snails und züchteten sie. Die Viecher vermehren sich wie blöd und fressen alles, auch den Reis. Die Eier der Schnecken sind verlockend himbeefarben, aber mühsam. Wenn sie in den Reis gelangen, wird er unbrauchbar.

Wie so oft zeigt sich, dass der Mensch nicht abzuschätzen weiss, welche Folgen sein Eingreifen in die Natur haben kann.

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