Gesundheit

Diabetes bei Kindern

Frage an Dr. med. Martin Denz: 'Meine Tochter ist sehr müde und hat immer Durst'

 

Dr. med. Martin Denz - Chefarzt
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Autor:
Luzia Ebnöther

Kürzlich erhielt die telefonische Gesundheitsberatung sante24 den Anruf einer besorgten Mutter: ihre 12-jährige Tochter Anna hat vor einigen Wochen unter Husten mit Fieber gelitten. Nach wenigen Tagen war alles wieder abgeklungen.

Die Mutter ist nun wegen des zunehmend merkwürdigen Allgemeinzustands ihrer Tochter beunruhigt. Anna ist normalerweise ein aufgestelltes Mädchen, jetzt benimmt sie sich aber «komisch»: seit drei Tagen liegt Anna müde herum, fühlt sich schlapp, trinkt auffällig viel, weil sie sehr starken Durst habe! Dementsprechend muss sie ständig auf die Toilette um Wasser zu lösen. Obwohl sie sonst viel und gerne isst, verliert sie nun mangels Appetit laufend an Gewicht. Das sei aber nicht weiter schlimm, weil Anna ohnehin zu Übergewicht neige. Ausserdem ist der Mutter ein leichtes Fieber aufgefallen, das kommt und geht.

Anna weint sehr viel, wirkt unzufrieden, was so gar nicht zu ihr passt. Im Gespräch mit der Gesundheitsberaterin erwähnt die Mutter zudem, dass Anna «komisch» aus dem Mund riecht, es erinnere sie an Nagellackentferner. Auf Nachfrage bestätigt die Mutter, dass es nach Azeton riecht. Dabei erinnert sie sich daran, dass ihre Grossmutter, die viele Jahre lang an Altersdiabetes litt, vor ihrem Tod so aus dem Mund gerochen hatte, wie ihre Tochter Anna jetzt.

Was fehlt Anna?

Die beigezogene Ärztin des sante24 Teams lässt Anna unverzüglich auf die Notfallstation überwiesen. Dort wird ein neu aufgetretener Diabetes Typ I diagnostiziert. Eine Behandlung mit Insulin wird eingeleitet und schon bald ist Anna wieder so munter wie zuvor.

Wie entsteht ein Diabetes?

Ein insulinabhängiger Diabetes mellitus («jugendlicher Diabetes“», «Typ 1») beginnt meist im Kindesalter. Der überwiegende Teil der Diabeteserkrankungen («Altersdiabetes», «Typ 2») tritt allerdings erst im Erwachsenen- oder noch häufiger erst im  Seniorenalter auf. Die starke Zunahme von Diabetes-Erkrankungen steht in Zusammenhang mit dem Wohlstand und der Überernährung der Bevölkerung.

Was sind die Risikofaktoren?

Übergewicht ist in jedem Alter ein Risikofaktor. Allerdings gibt es auch Erbfaktoren, so dass es wichtig ist, über die Familiengeschichte Bescheid zu wissen. Auch kann ein vorangehender Infekt zu einer Autoimmunerkrankung führen, welche die Insulin-produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse angreifen und zerstören. Der Insulinmangel führt dann zum Diabetes.

Wie erkenne ich einen neu auftretenden Diabetes?

Zu Beginn verläuft der Diabetes oft ohne Symptome. Die nachfolgenden Beschwerden können auf eine Zuckerkrankheit hinweisen:

  • Allgemeines Schwächegefühl, Müdigkeit
  • Auffällig häufiges Wasserlassen
  • Extrem starker Durst (wegen Wasserverlust)
  • Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust
  • Mundgeruch nach Azeton (riecht wie Nagellackentferner)

Wie kann ich vorbeugen?

Die besten Präventionsmassnahmen bei jeder Form von Diabetes sind:

  • Gesundes, ausgeglichenes Essen und Trinken
  • Ausreichend Bewegung, kein Übergewicht
  • Gesunder Lebensstil mit realistischen Zielen

Bei Auftreten der oben beschriebenen Symptomkonstellation sollte sofort eine medizinische Beratung in Anspruch genommen oder der Hausarzt aufgesucht werden.

 

Menschen mit Diabetes mellitus Typ 1 sind lebenslang auf die Einnahme von Insulin angewiesen. Die Krankheit ist Stand heute noch nicht heilbar. Aber bei korrekter Behandlung ist ein normales Leben möglich und Spätschäden können vermieden werden.

Dr. med. Martin Denz ist Chefarzt von santé24. Die telefonische Gesundheitsberatung sante24 ist eine zentrale Dienstleistung von SWICA ist, die den SWICA-Versicherten bei allen Fragen rund um die Gesundheit unter der Nummer 044 404 86 86 kostenlos zur Verfügung steht. Die Fachkräfte von sante24 vereinbaren bei Bedarf einen Arzttermin und schaffen so die Grundlage für eine koordinierte und zielgerichtete Behandlung – von der ersten Beratung bis zum Therapieabschluss.

Weitere Informationsquellen:

http://www.diabetesgesellschaft.ch

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