Gender-Food

Fleischtiger und Körnlipickerinnen

Der Mann hat sein Steak schon längst hinuntergeschlungen, während die Frau immer noch dabei ist, ihren Salat aufzupicken. Stimmt dieses Klischée tatsächlich? Essen Männer und Frauen so unterschiedlich?

Bei den Essgewohnheiten unterscheiden sich Mann und Frau enorm – trifft das auch für Sie zu?
Kategorie:
Autor:
Natalie Zumbrunn

Unterschiede ja, aber …

Dass Männer und Frauen unterschiedlich essen, ist erwiesen. Eine Statistik des Robert Koch-Instituts zeigt, dass Männer vor allem bei Fleisch und Wurst zuschlagen, während Frauen lieber an Obst und Gemüse knabbern. Bei Milchprodukten sind beide Geschlechter gleichauf. Süssigkeiten werden in jüngeren Jahren von Männern mehr verzehrt, doch ab 55 Jahren schlagen vermehrt die Frauen zu.

Der aid-Infodienst zitiert eine Umfrage aus Deutschland, in der mehr als zwei Drittel der Männer angeben, dass sie gerne und mit Genuss essen. Bei den Frauen sind es nur knapp 60 Prozent.

Frauen ernähren sich meist bewusster und ziehen abwechslungsreiche und fettarme Vollwertkost vor.

Welches sind die Gründe für diese Unterschiede?

Diese Fragen werden von vielen Seiten her diskutiert. Lesen Sie hier einige Theorien und machen Sie sich selbst Gedanken dazu. Was sind Ihre persönlichen Motive für Ihr Essverhalten?

Der Steinzeitmensch in uns

Viele glauben, dass die Differenzen aus einer Zeit stammen, als die Frauen noch Pflanzen sammelten und für die Familie sorgen mussten, während die Männer auf der Jagd waren und den Grossteil des Fleisches für sich beanspruchten. Dazu kommt, dass Frauen Kinder gebären. Experten vermuten, dass die Natur dafür sorgt, dass sich die Frau aus biologischen Gründen gesünder ernährt, zugunsten des Nachwuchses.

Psychologie und Rollenspiele

Was ist für Sie typisch männlich, typisch weiblich? Würden Sie ein Mädchen gleich erziehen wie einen Buben? Unser soziales Umfeld gibt uns vor, welche Rollen Mädchen oder Jungs einnehmen sollen. Das gilt auch für das Essverhalten: Während Knaben gross und stark werden sollen, werden Mädchen beim Essen eher zu Mässigung angehalten. Die Jungs bekommen ein Stück Schokolade eher als Belohnung für gute Noten, Mädchen bekommen ein Stück Schokolade als Trost, wenn sie traurig sind oder wenn sie Schmerzen haben. Ebenso steht das weibliche Geschlecht für Schönheit und Zerbrechlichkeit. Das vorherrschende weibliche Schönheitsideal treibt Frauen dazu, sich beim Essen besser zu kontrollieren und sich zurückzuhalten.

Eine Studie der Universitätsforschungsstelle für Sexualwissenschaften in Landau (DE) kommt zum Schluss, dass mehr als die Hälfte der Frauen mindestens einmal pro Woche ihr Gewicht kontrollieren und jede fünfte schon mehr als drei Diäten hinter sich hat. Männer hingegen haben nicht so ein zwanghaftes Verhältnis zu ihren Körpern. Sie essen nach Lust und Laune und greifen auch gern zu fettreichen Produkten.

Unser Essverhalten wird auch durch die Ess-Situation gesteuert

Obwohl Frauen normalerweise sehr zurückhaltend und kontrolliert essen, können Sie je nach Situation diese Kontrolle verlieren. Bei Kaffeekränzchen treffen sich praktisch nur Frauen. Dabei wird viel Kuchen gegessen und reichlich Rahm in den Kaffee geschüttet. Frauen neigen auch mehr dazu, Süssigkeiten zu verschlingen, um ein emotionales Loch zu füllen. Männer hingegen sind oft beim Grillieren anzutreffen. Sie blühen auf, wenn es darum geht, Würste und Steaks zu braten. Unter Männern wird auch häufiger Alkohol getrunken, das gehört offenbar zum Mann-sein einfach dazu.

Nicht alle Männer und Frauen sind gleich.

Beobachten Sie sich selbst und Ihr Umfeld genau. Das eine oder andere Klischée wird vielleicht zutreffen. Möglicherweise finden Sie noch andere Gründe, wie Sie ein bestimmtes Essverhalten erklären können. Wichtig ist nur: Werden Sie sich Ihres Essverhaltens bewusst und schmunzeln Sie auch über Klischees, die treffend sind. Hauptsache, Sie verbinden mit dem Essen Genuss und Freude.

Treffen diese Aussagen für Sie zu oder eben gar nicht? Nerven Sie klischierte Aussagen oder finden SIe sie zum Schmunzeln? Berichten Sie uns doch davon.

Natalie Zumbrunn-Loosli

Kommentare

Trendwende in Sicht

Es gibt sie sicher noch, die Männer, die sich unbekümmert um ihre Gesundheit schon in jungen Jahren einen kugelrunden Bierbauch antrinken und sich darob keine Sorgen machen. Aber gerade junge Männer stehen zunehmend unter dem Druck der Mode - und Schönheitsindustrie (dem Druck, dem nota bene die Frauen seit Jahrzehnten stand halten müssen).
Diese Jünglinge geraten beim geringsten Bauchansatz in Panik, reduzieren die Kalorienzufuhr, intensivieren ihr Fitness- und Ausdauertraining.
Auch ältere Herren geraten durch die figur- und gesundheitsbewussten Jungen unter Druck. Sie befürchten, auf dem Arbeitsmarkt und bei der Partnersuche nicht mehr konkurrenzfähig zu sein.
Achten Sie mal darauf, wie viele grau- und weisshaarige Männer sich auf Velos oder Joggingpisten überanstrengen im Versuch, straff und knackig zu bleiben.
PS: Dass viele Männer mehr auf ihre Gesundheit und Fitness achten als frühere Generationen, ist nicht negativ. Schliesslich haben sie, wie alle Statistiken zeigen, noch viel aufzuholen. Frauen leben immer noch wesentlich länger und leiden weniger an den Folgen hohen Sucht- und Genussmittelkonsums.

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