Notizen aus Vietnam (2)

Glückliches Land der Frühlingsrollen und des Reisweins

Wer sich entspannen will, tut dies am besten im Schlamm - oder bei einem gemütlichen Nachtessen mit Einheimischen. Selbstverständlich bei selbst gedrehten Frühlingsrollen.

Im Schlammbad kann man so richtig dreckeln – Erinnerungen an die Kindheit werden wach.
Kategorie:
Autor:
Beat A. Stephan

Die Vielfalt an bunten Pflanzen und Früchten in Vietnam ist überwältigend. Die Drachenfrucht beispielsweise sieht ja sensationell aus, der Geschmack ist eher nett.

Mehr Schein als Sein: So toll wie sie aussehen, schmecken Drachenfrüchte nicht unbedingt.

Dafür sind die selbst gewickelten, in feinstes Reispapier eingepackten Frühlingsrollen ein Genuss. Vollgepackt mit feinsten Kräutern nach eigenem Gusto.

Frühlingsrollen auf vietnamesische Art: Über der Glut selbst gebrutzeltes Fleisch, Kräuter, Minze wickelt man in feinstes Reispapier ein. Und taucht die Rollen dann in Fischsauce (wenn man sie mag). Unser Fahrer zeigt, wie man's richtig macht.

Man darf hier ja nur mit Driver verkehren. Für Westler wäre es zu gefährlich und chaotisch, und sie hätten ohnehin keine Ahnung, wo's lang geht.

Wir haben einen besonders gelungenen Kerli erwischt. Er riss Tag und Nacht Witze und hatte lauter Blödsinn im Kopf. Irgendwann holte ihn die Polizei raus, weil er illegal Touristen im Jeep transportiert. Das sei verboten, da zu gefährlich, weil Jeeps ja weder über anständige Fenster und Türen noch Sicherheitsgurte verfügen, heisst es. Jeeps seien für Touris schlicht nicht gut genug. So lautet die Theorie.

Aber nach Zahlung von ein paar Dollar (einem gewaltigen Betrag für vietnamesische Verhältnisse) gings trotzdem weiter. Schliesslich müssen die jungen Leute Geld verdienen, das ist auch den Beamten klar. Da drücken sie gern mal beide Augen zu. Ständig brausen auch Töfflifahrer heran und wollen die Touristen für ein paar Dong mitnehmen. Das ist natürlich genauso illegal wie die Jeepfahrten. Wird aber genauso toleriert. Schliesslich sind in Vietnam zwei Drittel der Menschen jünger als 35. Die wollen alle irgendwie Geld verdienen.

Am Schluss der Fahrt fuhr unser glatter Chauffer beim Rückfahrtsrangieren auch noch eine Einbahntafel über den Haufen und sorgte damit für grosses Aufsehen.

Abends dann, als alle schon Öl am Hut hatten (respektive Reiswein und vietnamesischen Dalat-Wein), wars fertig mit Chauffieren. Wir alle gingen zu Fuss nach Hause. Sehr vernünftig!

Beschwingt durch Reiswein und vietnamesischen Dalat-Wein kam unser Driver zu später Stunde gross in Fahrt. Danach ging's selbstverständlich zu Fuss nach Hause.

Übrigens fahren in Vietnam 99.9 Prozent der Töfflifahrer mit Helm. Kunststück, bei den Strafen: Das Töffli wird sonst glatt eingezogen. Man bekommt es zwar manchmal nach einer gewissen Zeit zurück, doch dann fehlen oft die wichtigsten Teile …

Ihr geneigter Autor, entspannt nach der Schlammkur im Holzhüttchen: Der Dreck schwimmt jetzt im Pool.

Im Schlammbad fühlt man sich wie ein Kind, glücklich, weil man sich so richtig eindreckeln kann. Bald sahen wir aus wie Massai-Krieger. Und schliesslich liessen wir die ganze Sauce im Privatpool zurück. Entspannung pur!

Die Wellen in Mui Ne sind super. Wenn man sie richtig erwischt, fräst der Körper meterweise Richtung Strand. Hat man Pech, bricht sich die Welle genau über deinem Kopf, du wirst unter Wasser gehörig durcheinandergewirbelt und hoffst nur noch, dass du wieder bis nach oben kommst, bevor die Luft ausgeht. Macht gewaltig Spass! Vorausgesetzt, man kann gut schwimmen.

Einmal abgesehen von den Horden von Russen, die Mui Ne derzeit überschwemmen, alles leertrinken und sich wie die Alleinherrscher benehmen, ist Mui Ne durchaus erholsam. Und bei einem meditativen Ausflug hoch zum Buddha fühlt man sich wie in den heimischen Bergen minus Schnee.

Nun ja, die Menschen in Vietnam sind nicht reich, obwohl sie fleissig arbeiten. Aber sie sind kein bisschen unglücklicher als wir. Bisher habe ich noch niemanden kennengelernt, der nicht zufrieden ist in diesem Land. Ich habe niemanden getroffen, der unbedingt weg möchte. Und das ist doch einfach schön.

Und wenn das jetzt wie die naive Sicht eines Westlers klingt, ist mir das auch egal. Ich habe die Menschen getroffen, ihnen in die Augen geblickt und mit ihnen gesprochen. Sie haben mir nichts vorgemacht. Wieso sollten sie auch?

Demnächst: Notizen aus Vietnam, Teil 3

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