Psychologie

Ich würd’s ja sagen – wenn ich könnt

Wenn das Wort auf der Zunge liegen bleibt

Auf ein Wort....
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Autor:
Natalie Zumbrunn

Kennen Sie das? Sie möchten Ihrer Nachbarin schon lange sagen, dass Sie Ihren Schraubenschlüssel zurück wollen, ihr Bruder schuldet ihnen immer noch Geld und tut als wäre nichts, Ihre Freundin hat Sie bei Ihrem letzten Gespräch mit einer Aussage verletzt und doch haben Sie bis jetzt noch nichts dazu gesagt.
Solche Situationen können zu einer richtigen Belastung werden. Nicht nur, dass Sie ständig über die Situation und das klärende Gespräch nachdenken müssen, nein, auch Ihr Verhalten der betreffenden Person gegenüber kann sich unbewusst verändern – was wiederum Spannungspotential mit sich bringt.

Das Wirkungsvollste wäre jetzt, wenn Sie zu der betreffenden Person hingehen und Ihr in einem ruhigen und gelassenen Ton Ihre Bedürfnisse oder Ihr Anliegen mitteilen. Nur ist das Wirkungsvollste nicht immer das Einfachste!

 

Einfacher gesagt als getan
Eben nicht. Der erste Schritt zum „unangenehmen“ Gespräch ist: fragen Sie sich, warum Sie es nicht sagen können. Was ist das Schlimmste das passieren kann?

  • Befürchten Sie, dass Ihr Gegenüber den Kontakt zu Ihnen nach dem Gespräch nicht mehr möchte?
  • Fürchten Sie Ihrem Gegenüber weh zu tun?
  • Haben Sie Angst vor den Konsequenzen? Welche sind das?
  • Sie fühlen sich egoistisch oder herzlos?

 

Alles Gründe, um nichts zu sagen. Nur leider keine Guten. Was passiert, wenn Sie nichts sagen? Ohne etwas zu sagen, belasten Sie eventuell Ihre Beziehung und sie zerbricht über kurz oder lang daran.
Mit einem klärenden Gespräch hat die Beziehung mindestens eine 50 : 50 Chance weiter zu laufen und wahrscheinlich sogar besser weiter zu laufen! Nur wenn wir die Bedürfnisse unseres Gegenübers kennen, können wir richtig reagieren. Wer weiss, vielleicht hat Ihr Gegenüber auch Ihnen etwas mitzuteilen und nutzt Ihren Startschuss gleich mit. Vielleicht ist der Person gar nicht bewusst, was Sie im Moment belastet.

 

Die Übung fehlt
OK, nicht jeder hat gelernt, seine Bedürfnisse im richtigen Moment auszudrücken. Aber das ab heute zu tun, das kann jeder lernen.

  1. Stellen Sie sich das Gespräch vor. Was wollen Sie sagen? Wie fühlt es sich an, wenn Sie Ihre Bedürfnisse / Ihr Anliegen aussprechen? Werten Sie die Emotionen nicht, nehmen Sie sie nur wahr. Atmen Sie dabei ruhig weiter.
  2. Üben Sie das Gespräch vorher, wenn es Ihnen Sicherheit gibt. Vielleicht gibt es eine andere Freundin / Freund, mit der Sie solch offenen Themen besprechen können. Oder üben Sie mit Ihrem Spiegelbild, einem Kissen oder einem Foto der entsprechenden Person.
  3. Wenn Sie sicher sein wollen, dass Sie das Gespräch auch sicher angehen, bemerken Sie bei der entsprechenden Person, dass Sie in nächster Zeit gerne ein Gespräch führen würden. So haben Sie einen Punkt, auf den Sie sich vorbereiten können.
  4. Der erste Satz ist immer der Schwerste. Ist das Thema auf dem Tisch, läuft das Gespräch meist von selbst.
  5. Nur Übung macht den Meister! Je öfter Sie sagen, was Sie möchten, umso einfacher wird es Ihnen mit der Zeit fallen.

 

Und: was würden Sie tun, wenn Sie wüssten, dass jemand aus Ihrer Familie oder Ihrem Bekanntenkreis, etwas mit Ihnen besprechen möchte und sich nicht traut? Würden Sie wollen, dass er es schafft und auf Sie zukommt, damit die Situation geklärt wird? Eben, nutzen Sie die Chance!

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