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Wissenschaftlich erwiesen: Wer Schokolade isst, lebt länger

Langzeitstudie bestätigt: Dunkle Schokolade in kleinen Mengen kann
das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken.

In kleinen Mengen genossen, ist Schokolade gesund.
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Autor:
Natalie Zumbrunn

Wer täglich ein kleines Stück Schokolade isst, kann sein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken, insbesondere für Schlaganfall. Tönt fast zu schön, um wahr zu sein!

Der Effekt ist zum Teil auf eine blutdrucksenkende Wirkung der Schokolade zurückzuführen. Zu diesem Ergebnis kam ein Forscherteam des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE), nachdem es die Daten einer grossen Langzeitstudie* mit rund 20'000 Teilnehmern ausgewertet hatte. Die Wissenschaftler veröffentlichten ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift European Heart Journal (Buijsse et al., 2010; Chocolate consumption in relation to blood pressure and risk of cardiovascular disease in German adults, DOI 10.1093/eurheartj/ehq068).

Der in dunkler Schokolade enthaltene Kakao enthält viele Flavanole, die sich günstig auf die Elastizität der Blutgefäße und den Blutdruck auswirken. Dies haben in den letzten Jahren verschiedene klinische Kurzzeitstudien belegen können. Ergebnisse aus Langzeitstudien gab es aber kaum. Ein Grund für die DIfE-Forscher, den Sachverhalt mit Hilfe der Potsdamer EPIC*-Studiendaten zu überprüfen und mit dem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung zu bringen.

In der aktuellen Studie erlitten während der durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von etwa acht Jahren 166 Studienteilnehmer einen Herzinfarkt – 136 Personen erlitten einen Schlaganfall. Aus den in den Jahren 1994 bis 1998 erhobenen EPIC-Basisdaten ermittelten die Forscher die Zusammenhänge zwischen dem Schokoladeverzehr, dem Blutdruck und dem Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wie die Studie zeigt, haben Personen, die im Schnitt etwa sieben Gramm kakaohaltiger Schokolade pro Tag verzehren, im Vergleich zu Personen, die nur wenig Schokolade essen, ein um fast 40 Prozent verringertes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dabei sank das Schlaganfallrisiko um fast die Hälfte – das Herzinfarktrisiko verminderte sich um 27 Prozent.

«Schokolade ist für ihren blutdrucksenkenden Effekt bekannt. Da ein hoher Blutdruck für Schlaganfälle ein stärkerer Risikofaktor ist als für Herzinfarkte, haben wir erwartet, dass der Schokoladenverzehr auch stärker mit einem verminderten Schlaganfallrisiko verbunden ist. Genau dies haben wir in den Studiendaten gesehen», sagt Brian Buijsse, Erstautor der Studie. In der aktuellen Studie hatten die Personen mit dem höchsten Schokoladenverzehr einen geringeren Blutdruck als die Personen mit dem geringsten Schokoladenverzehr. Allerdings war der Blutdruckunterschied weniger stark ausgeprägt als in anderen Studien. Ein Grund für die relativ geringe Blutdrucksenkung könne die Vorliebe der meisten Studienteilnehmer für Vollmilchschokolade sein, mutmasst Buijsse. Denn Vollmilchschokolade hat einen geringeren Kakaoanteil als Bitterschokolade und somit auch einen geringeren Anteil an blutdrucksenkenden Flavanolen.

Heiner Boeing, Studienleiter der Potsdamer EPIC-Studie, merkt an, dass die neuen Studienergebnisse keinen Freibrief für einen ungehemmten Schokoladenverzehr erteilen. Schokolade, in grossen Mengen konsumiert, enthält bedeutende Mengen Fett und damit Kilokalorien, die dick machen. Ein bis zwei Täfelchen Schokolade pro Tag können dagegen die kardiovaskuläre Gesundheit verbessern. Dabei sind insbesondere Schokoladen mit einem hohen Kakaoanteil zu empfehlen, der eigentlichen Wirksubstanz.

Hintergrundinformation:

Die *Potsdamer EPIC (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition)-Studie ist Teil der Gesamt-EPIC-Studie. Die EPIC-Studie ist eine prospektive Studie, die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs und anderen chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes untersucht. An der EPIC-Studie sind 23 administrative Zentren in zehn europäischen Ländern mit insgesamt 519'000 Studienteilnehmern beteiligt. Bei der Auswertung einer prospektiven Studie ist es wichtig, dass die Teilnehmer/innen zu Beginn der Studie noch nicht an der zu untersuchenden Krankheit leiden. Die Risikofaktoren für eine bestimmte Erkrankung lassen sich so vor ihrem Entstehen erfassen, wodurch eine Verfälschung der Daten durch die Erkrankung weitestgehend verhindert werden kann – ein entscheidender Vorteil gegenüber retrospektiven Studien. Brian Buijsse, der Erstautor, hatte bereits vor vier Jahren durch die Auswertung einer niederländischen Bevölkerungsstudie gezeigt, dass Personen, die im Durchschnitt täglich vier Gramm Kakao verzehren, nicht nur einen niedrigeren Blutdruck, sondern auch ein vermindertes Risiko haben, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben. Vier Gramm Kakao ist eine Menge, die mit zehn Gramm Bitterschokolade vergleichbar ist. In der niederländischen Studie wertete Buijsse zusammen mit seinen Kollegen die medizinischen Daten von 470 Männern aus, die in einem Beobachtungszeitraum von 15 Jahren erhoben worden waren.

Lit.: Arch Intern Med. 2006 Feb 27;166(4):411-7. Cocoa intake, blood pressure, and cardiovascular mortality: the Zutphen Elderly Study. Buijsse B, Feskens EJ, Kok FJ, Kromhout D.

Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht die Ursachen ernährungsbedingter Erkrankungen, um neue Strategien für Prävention, Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln. Forschungsschwerpunkte sind dabei Adipositas (Fettsucht), Diabetes und Krebs. Näheres finden Sie unter

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