Gesundheit

Essstörungen verstehen – Bulimia nervosa

Die Ess-Brechsucht

Bulimia nervosa - die Ess-Brechsucht
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Autor:
Natalie Zumbrunn

Als Essstörungen werden Störungen des Essverhaltens oder des Verhaltens im Zusammenhang mit dem Essen gekennzeichnet. In den letzten Artikeln dieser Reihe haben wir Ihnen die Anorexia nervosa sowie Tipps für den Umgang mit Betroffenen vorgestellt.

In diesem Artikel geht es nun um die Bulimie, welche sich im Wechsel von unkontrollierten Essanfällen und gleichzeitigem Versuch Gewicht zu verlieren äussert. Häufig ist die Bulimie eine „heimliche“ Krankheit. Betroffene leiden oft jahrelang an der Krankheit, bevor jemand von ihren Problemen erfährt.

Schrillen bei Ihnen die Alarmglocken auf? Verschwindet Ihre gute Freundin regelmässig nach dem Essen auf die Toilette? Hatten Sie dabei häufig ein ungutes Gefühl, vielleicht weil sich ihre Freundin auch sonst irgendwie verändert hat? Lesen Sie hier wichtige Informationen zur Krankheit und deren Hintergründe.

 

Was versteht man unter Bulimia nervosa?

Ein Merkmal der Bulimie sind wiederholte „Fressattacken“. Bei einem Essanfall werden in kurzer Zeit relativ grossen Mengen an Lebensmittel in einer abgeschlossenen Zeitperiode konsumiert. Während des Essens haben Betroffene das Gefühl, die Kontrolle über das Essverhalten verloren zu haben. Der Essanfall kann sehr kurz bis hin zu mehreren Stunden dauern.

Nach dem Essen kommt es dann zu Massnahmen, die dem Völlegefühl und der Gewichtszunahme gegensteuern sollen. Typischerweise wird nun erbrochen. Es gibt jedoch auch andere Massnahmen, wodurch die Bulimie in zwei Typen eingeteilt werden kann:

  • Purging-Typ: Erbrechen, Abführmittel, Diuretika (Medikament zum Ausschwemmen von Wasser) und/oder Einläufe (herbeigeführte Darmentleerung)
  • Nicht-Purging-Typ: Fasten, übermässige körperliche Tätigung

Häufig ergreifen Betroffene verschiedene Massnahmen beider Typen. Im Vergleich zu Betroffenen mit einer Magersucht weisen Bulimie-Erkrankte ein höheres Körpergewicht auf. Ist das Gewicht sehr tief, also unter einem BMI von 17.5, liegt eine spezielle Form der Magersucht vor.

Das normale Körpergewicht macht das Erkennen dieser Krankheit so schwierig. Dazu kommt, dass Bulimie normalerweise mit sehr viel Scham und Selbstverachtung verbunden ist, wodurch die Verheimlichung verstärkt wird. Da vor einer Bulimie sehr häufig Episoden von Anorexia nervosa stattfinden, gilt es dort aufmerksam zu sein.

 

Ursachen der Krankheit

Ein auslösender Faktor ist in 90-95% der Fälle eine Diät. Die Bulimie beginnt dementsprechend mit einer rigiden Diät, welche das Essverhalten destabilisiert. Ein weiterer Faktor kann der Verlust einer nahen Bezugsperson sein.

Die Krankheit entsteht im Normalfall durch eine Kombination von auslösenden Faktoren, Risikofaktoren und bestimmten Hintergrundkonstellationen. Als Risikofaktoren gelten folgende:

  • Ausgeprägte Impulsivität (leicht erregbar, spontan, hitzig)
  • Grosse Lebendigkeit, oft Kreativität, für die kein angemessener Ausdruck gefunden wird
  • Überforderung im Alltag durch vorzeitige, oft aufgezwungene Selbständigkeit
  • Freiheitsdrang
  • Ausgeprägte Gefühl von Scham

Risikoreiche Hintergrundkonstellationen sind unteranderem ungeordnete Familiensituationen, Suchtprobleme von Eltern oder sexueller Missbrauch.

 

Folgen der Krankheit

Im Zusammenhang mit der Bulimia nervosa treten bei vielen Betroffenen Depressionen und Ängste auf. Zirka 30 Prozent der Betroffenen haben Erfahrung mit Missbrauch von Alkohol oder anderen Substanzen.

Das regelmässige Erbrechen führt zu grossen und dauerhaften Schäden des Zahnschmelzes und zu Karies. Das mechanisch ausgelöste Erbrechen verursacht Narben und Hornhaut an den Händen. Bei manchen Betroffenen sind die Speicheldrüsen, vor allem die Ohrspeicheldrüse, deutlich vergrössert. Der ständige Wechsel zwischen Essen und Erbrechen kann zu erheblichen Schwankungen im Flüssigkeits- und Elektrolythaushaltes führen, was sogar Herzrhythmusstörungen auslösen kann. Weitere typische Folgen sind auch Magenüberdehnung, Entzündungen von Magen und Speiseröhre, chronische Verstopfung sowie Vitamin- und Nährstoffmangelerscheinungen.

 

Haben Sie nach wie vor das Gefühl, dass Ihre Freundin von einer Essstörung betroffen sein könnte? Fragen Sie sich, ob Sie es ansprechen sollen oder nicht. Lesen Sie dazu hier weiter.

Möchten Sie mehr noch mehr erfahren? Weitere Informationen und Unterstützung finden Sie auch auf der Homepage der AES.

 

Erfahren Sie hier bald noch mehr über weitere Essstörungen sowie über die passenden Therapiemöglichkeiten.

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