Psychologie

Der Kiesler Kreis-nach welchen Regeln Gespräche folgen

Kommunikation ist eine zentrales Werkzeug für den Menschen als soziales Wesen. Je nachdem wie wir kommunizieren, können wir damit ein bestimmtes Verhalten bei unserem Gegenüber auslösen.

wichtiges Gespräch zwischen zwei Menschen auf der Arbeit
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Autor:
Natalie Zumbrunn

In diesem Artikel erfahren Sie, wie zwei miteinander kommunizierende Personen ihr Verhalten gegenseitig beeinflussen.

Was ist der Kiesler Kreis?

Der Kiesler-Kreis wurde 1983 von dem amerikanischen Psychologen Donald J. Kiesler entwickelt. Kiesler besagt in seinem Kreis Modell, dass sich zwischenmenschliche Interaktionen auf zwei Achsen beschreiben lassen. Auf der vertikalen Achse des Kreises stehen sich die Verhaltensweisen dominant oder offen und unterwürfig oder verschlossen gegenüber. Auf der horizontalen Achse stehen sich die Pole freundlich und distanziert gegenüber. Hier finden Sie eine Abbildung dazu.

Die Verhaltensweisen dominant und unterwürfig stehen sich gegenüber, weil dominantes Verhalten einer Person bei ihrem Gegenüber unterwürfiges Verhalten auslöst. Die Verhaltensweisen auf der vertikalen Achse stehen anders zueinander in Beziehung. Freundliches Verhalten löst im Gegenüber ebenfalls freundliches Verhalten aus und verschlossenes Verhalten der einen Person führt zu verschlossenem Verhalten der anderen Person. Die horizontalen und vertikalen Verhaltensweisen kommen in Gesprächen kombiniert vor. Daraus entstehen verschiedene Verhaltenspaare, die sich gegenseitig begünstigen:

Verhalten Sie sich einer Person gegenüber freundlich dominant, wird sich Ihr Gegenüber freundlich unterwürfig zeigen. Verhält sich Ihr Gegenüber distanziert unterwürfig, werden Sie mit grosser Wahrscheinlichkeit auch distanziert dominant reagieren.

Was bringt nun der Kiesler Kreis?

Das Wissen über die Auswirkung eines bestimmten Verhaltens auf Ihr Gegenüber, können Sie nun verwenden, um ein Gespräch in die von Ihnen gewünschte Richtung zu steuern. Damit können Sie sich gezielt auf wichtige Gespräche vorbereiten. Wenn Sie freundlich-dominant auftreten, erreichen Sie Ihre Ziele im Gespräch reibungsloser und ohne beim Gegenüber einen fahlen Beigeschmack zu hinterlassen.

Wenn Sie das Gefühl haben, mit einer Person im Gespräch immer in dieselbe Dynamik zu fallen, können Sie das Modell anwenden, um die Situation zu analysieren. Dazu schreiben Sie am besten typische Aussagen und Verhaltensweisen von Ihnen und Ihrem Gegenüber auf. Anschliessend können Sie das Auftreten der beiden Personen den Achsen im Kieslerkreis zuordnen. Im letzten Schritt können Sie sich überlegen, was Sie sagen könnten, damit Sie dem von Ihnen gewünschten Verhalten im Kieslerkreis entsprechen.

In der Regel nehmen wir alle in unterschiedlichen Gesprächen oder mit unterschiedlichen Menschen verschiedene Positionen im Kieslerkreis ein. Es gibt aber auch Menschen, die ein bestimmtes Verhalten gehäuft zeigen und andere Positionen dafür fast nie einnehmen. Falls Sie zu diesen Menschen gehören, hier ein Tipp für Sie:

Wenn Sie merken, dass Sie meist die unterwürfig-freundliche und praktisch nie die dominant-freundliche Position einnehmen, kann es schwierig sein, die Rolle zu wechseln. Dann kann es helfen, wenn Sie das gewünschte Verhalten in einem Rollenspiel üben. Vielleicht sind Sie in einem ersten Versuch eher distanziert-dominant, weil Sie die dominante Position nicht gewohnt sind und Ihnen dabei unwohl ist.  Dann probieren Sie es mit einer anderen Formulierung oder Haltung weiter, bis Sie und Ihr Gegenüber merken, dass Sie freundlich dominant kommunizieren und Ihr Gegenüber freundlich unterwürfig reagiert.

Üben Sie vor dem Spiegel, mit Ihrer Freundin oder Freund oder auch mit Ihrem Haustier. Denn – Denken ist Probehandeln.

In dem Sinne Mut zu Neuem und spannende Erkenntnisse beim Ausprobieren.

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