Gesundheit

Essstörungen verstehen – Binge-Eating-Disorder

Die verbreitete, jedoch unbekannte Essstörung

Die Krankheit ist geprägt durch wiederholte Essattacken
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Autor:
Natalie Zumbrunn

Nach der Anorexia nervosa und der Bulimie, folgt heute eine weitere Essstörung. Haben Sie schon einmal etwas vom Binge-Eating-Disorder gehört? Falls nicht, stehen Sie nicht alleine da. Die Essstörung, welche durch regelmässige „Fressattacken“ geprägt ist, ist trotz Verbreitung eher unbekannt.

 

Was versteht man unter Binge-Eating-Disorder?

Zum besseren Verständnis der Essstörung berichten wir Ihnen von einem kleinen Fallbeispiel: Maria ist 26 Jahre alt und leidet seit der 3. Klassen an Übergewicht. Bereits als Kind und als Jugendliche versuchte sie mit Unterstützung ihrer Eltern und mit diversen Diäten an Gewicht zu verlieren. Der langfristige Erfolg blieb leider aus. Das Gewicht wurde durch den bekannten Jojo-Effekt sogar stetig höher. Maria leidet sehr unter ihrem hohen Gewicht. Neben körperlichen Beschwerden leidet sie vor allem an den Blicken und Sprüchen von Mitmenschen, welchen sie immer mal wieder ausgesetzt ist.

Da Maria nach wie vor den Wunsch hegt, Gewicht zu verlieren, lässt sie ihr regelmässig Frühstück aus. In der Mittagspause greift sie aus Vernunft zum Salat und geht danach halb gesättigt und unbefriedigt zurück zur Arbeit. Am Nachmittag gibt es im Geschäft Kuchen, da eine Kollegin Geburtstag hat. Maria liebt Schokoladenkuchen und weiss aber, dass er viele Kalorien hat. Da alle ein Stück essen und sie starken Hunger hat, gönnt sie sich ein kleines Stück. Während die anderen den Kuchen geniessen, kommt bei Maria der Selbsthass hoch. Warum bin ich nur so schwach? Wie soll ich jemals Gewicht verlieren, wenn ich mich so schlecht kontrollieren kann? Maria bringt den Nachmittag bei der Arbeit irgendwie hinter sich, der Frust, die Selbstzweifel und der Hass auf sich selbst stauen sich jedoch an. Auf dem Nachhauseweg kommt sie am Supermarkt vorbei und geht wie automatisiert rein. Die Stimme im Kopf, die es verhindern will, hat keine Chance mehr. Maria kauft eine Tiefkühlpizza, Joghurt, Müesli, Chips und Guetzli ein. Bei der Kasse schämt sie sich und geht danach schnell nach Hause.

Zu Hause angekommen, isst sie zwei Schalen Müesli und ein Joghurt, während die Pizza im Ofen bäckt. Danach nimmt sie die Pizza, die Chips, die Guetzli und noch einige Joghurts mit vor den Fernsehen. Sie beginnt zu essen… sie isst und isst und isst, bis ihr Bauch schmerzt und sie sich kaum mehr bewegen kann. Ein Gefühl der Gleichgültigkeit kommt auf und Maria schläft ein. Am nächsten Morgen wacht sie auf - voller Scham und Hass über die Essattacke am Abend zuvor. Um nicht an Gewicht zuzunehmen, nimmt sie sich vor, heute ausser einem Salat gar nichts zu essen. Der Teufelskreis beginnt von Neuem…

 

Das Fallbeispiel zeigt bereits viele der typischen Merkmale der Krankheit. Hier eine kleine Übersicht:

  • Wiederholte Episoden von unkontrolliertem Essen. Die Betroffenen haben das Gefühl keine Kontrolle über das Essen zu haben, worunter sie sehr leiden. Die Mengen der verzehrten Nahrungsmittel können ganz unterschiedlich gross sein.
  • Die Essanfälle werden durch unangenehme Stimmung, Spannung, zwischenmenschlichen Belastungen oder durch Hunger wegen dem zuvor sehr kontrollierten Essverhalten ausgelöst.
  • Betroffenen beschäftigen sich gedanklich sehr viel mit dem Essen, mit Kalorienzählen und dem Gewicht. Betroffene sind meistens übergewichtig, es können aber auch Normal- oder untergewichtige Personen betroffen sein.
  • Eine gewisse Entfremdung rund um das unkontrollierte Essen ist nicht selten. Vielen Personen fällt es schwer, zu erkennen, welche Gefühle und Gedanken sie davor konkret beschäftigen oder belasten. Während des unkontrollierten Essens kann die unangenehme Stimmung kurzfristig einem angenehmen Zustand weichen oder einem Gefühl von Gleichgültigkeit.

 

Ursachen der Krankheit

Auslösende Faktoren für eine Binge-Eating Störung sind unter anderem:

  • Vorausgehende Diäterfahrung, anorektische oder bulimische Phasen.
  • Innere Faktoren wie Hunger, negative Emotionen oder Stress und Schwierigkeiten diese zu bewältigen.
  • Hohes Ansprechen auf Reize durch die leichte Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln; Werbung und das soziale Umfeld können dies noch erhöhen.
  • Niedriges Selbstwertgefühl und Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper.

 

Folgen der Krankheit

Essanfälle treten bei Menschen mit Übergewicht und Adipositas gehäuft auf, wobei viele Menschen mit Binge Eating auch normalgewichtig sind. Mehr oder weniger starke Gewichtsschwankungen sind allerdings häufig. Körperliche Beschwerden reichen von Mangelerscheinungen bei häufigen Diäten bis hin zu Beschwerden, die bei starkem Übergewicht auftreten. Zum Beispiel Bluthochdruck, Herz- Kreislaufkrankheiten und Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparates. Bei geschlechtsreifen Frauen kann der Menstruationszyklus durch das für den Körper als Stress erlebte Essverhalten aus dem Gleichgewicht geraten. Zudem sind depressive Verstimmungen und Angstzustände bei Menschen mit Binge Eating nicht selten.

 

Wir hoffen, Ihnen die Krankheit näher gebracht zu haben. Alles über die Therapie der verschiedenen Essstörungen erfahren Sie bald hier.

Weitere Informationen und Unterstützung finden Sie auch auf der Homepage der AES.

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